Johannes Freitag studierte nach seiner Matura Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz. Danach war der gebürtige Knittelfelder (Murtal, Steiermark) in verschiedenen Kaplan- und Pfarrstellen tätig, bevor er als Pfarrer im Pfarrverband Trofaiach – St. Peter/Freienstein (Steiermark) wirkte. Am 31. Jänner 2025 wurde er von Papst Franziskus zum Weihbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt. Er selbst beschreibt seinen Weg zu Gott als "langsames Reifen": "Begegnungen mit Menschen in existenziellen Lebenslagen und die Erfahrung, dass Glaube Orientierung und Trost geben kann, haben mich auf meinem Weg begleitet." Mit uns hat der Weihbischof über den Zusammenhang zwischen Glauben und Gesundheit gesprochen – und welche Rolle die katholische Kirche dabei spielt.
Pfarrer Kneipp hat sich dem Thema Gesundheit verschrieben und darin auch eine Verbindung zu Gott gesehen. Gibt es auch heute einen Zusammenhang zwischen Glauben und Gesundheit?
Kneipp hat den Menschen immer als Ganzes gesehen, als ein Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist. Diese Sicht bleibt zeitlos: Viele spüren, dass innerer Halt, Sinn und ein Moment der Stille das Leben leichter und gesünder machen können. Glaube kann dabei wie ein innerer Raum sein, in dem wir zur Ruhe kommen und wieder Boden unter den Füßen finden. Nicht laut, nicht dogmatisch, sondern als Einladung: Schau auf das, was dich stärkt. So verbinden sich Spiritualität und Glaube ganz natürlich mit Gesundheit und helfen uns dabei, im Inneren anzukommen und klarer weiterzugehen.
Welche Rolle spielen die österreichischen Pfarrer bei der Gesundheit der Bevölkerung? Gibt es Ihres Wissens auch heute noch Pfarrer, Priester etc., die sich so intensiv mit Naturheilkunde auseinandersetzen?
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ehren- wie hauptamtliche der Kirche sind vielerorts erste Anlaufstellen in Krisen: Sie hören zu, begleiten und verweisen weiter. Historisch und auch heute gibt es in kirchlichen Kontexten viele Menschen und Projekte, die Naturheilkunde und gesundheitsfördernde Lebensweisen pflegen, man denke etwa an Hildegard von Bingen oder eben Sebastian Kneipp. Gleichzeitig ergänzen pastorale Dienste das professionelle Gesundheitswesen; sie bieten Nähe und Trost, Sinnvermittlung und eine ethische Perspektive, die in der Gesundheitsvorsorge oft fehlt. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist die Krankenhausseelsorge.
Um gesund zu bleiben, sind auch innerer Frieden und Gelassenheit wichtig. Wie kann die heutige katholische Kirche dazu einen Beitrag leisten?
Die Kirche schafft Orte, an denen Menschen für einen Moment aus dem Alltag heraustreten und wieder bei sich ankommen. Dabei geht es nicht um große Worte, sondern um die Erfahrung, dass wir getragen sind und nicht alles allein bewältigen müssen. Oft genügt ein einziger ruhiger Moment, um zu spüren: Frieden beginnt dort, wo wir uns öffnen für das, was uns gut tut. In diesem Sinn möchte die Kirche begleiten, als Einladung, einen Schritt näher zum eigenen inneren Gleichgewicht zu gehen.

Wie finden Sie selbst als Weihbischof trotz vieler Termine inneren Frieden bzw. die Balance?
Für mich beginnt Balance immer mit kleinen Inseln der Stille, die ich mir bewusst in den Tag lege, auch wenn es nur wenige Minuten sind. Diese Momente helfen mir, innerlich wieder anzukommen und mich nicht im Außen zu verlieren. Sehr wohltuend ist für mich auch Bewegung in der Natur: ein ruhiger Weg, ein bewusster Atemzug, ein Blick in den Himmel. Darüber hinaus ist es wichtig, Aufgaben zu ordnen und nicht alles gleichzeitig tragen zu wollen. So festigt sich Schritt für Schritt eine innere Haltung, die selbst in dichten Zeiten Ruhe bewahrt.
Haben Sie einen Tipp für uns, wie man gerade die für viele Menschen stressige Weihnachtszeit etwas gelassener (und vielleicht auch gesünder) begehen kann?
Die Wochen vor Weihnachten können schnell zu einem Rennen werden, doch eigentlich laden sie uns ein, innerlich anzukommen. Schon ein kleiner bewusster Schritt, ein Moment der Stille, ein Gang an die frische Luft, kann Raum schaffen, in dem die Seele zur Ruhe findet. Gelassener wird die Adventszeit, wenn wir nicht alles perfekt machen wollen, sondern zulassen, dass Weihnachten uns entgegenkommt: leise, menschlich, ohne Druck. Vielleicht genügt ein kurzer Anruf, ein einfaches „Schön, dass du da bist“, um den Geist dieser Tage zu spüren. So wird Weihnachten weniger zu einem Pflichtprogramm und mehr zu einem Weg, der uns innerlich näher zu dem führt, was wirklich trägt.
Nicht zuletzt wirkt sich auch Zufriedenheit positiv auf unsere Gesundheit aus. Auch hier die Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den christlichen Lehren und der eigenen Zufriedenheit?
Zufriedenheit wächst oft dort, wo wir bewusst hinschauen: auf das, was gut ist, auf Menschen, die uns tragen, auf kleine Momente, die unser Herz wärmen. Die christliche Tradition spricht in ihrer eigenen Sprache davon: Dankbarkeit, Beziehung, Hoffnung. Diese Haltungen sind universell und für jeden Menschen stärkend. Wer sich einen Moment Zeit nimmt, um innerlich „Danke“ zu sagen, wer Nähe zulässt oder jemandem vergibt, schafft Raum, in dem Frieden entstehen kann. Das sind keine großen Gesten, sondern kleine Schritte, die uns innerlich weiterbringen. Vielleicht entdecken wir gerade dadurch: Zufriedenheit ist weniger ein Zustand als ein Weg, den wir bewusst gehen können.
Wie halten Sie sich selbst im Winter fit? Setzen auch Sie auf bewährte Hausmittel, vielleicht sogar aus den Kneipp'schen Lehren?
Im Winter achte ich besonders auf regelmäßige, sanfte Bewegung in der Natur, eine ruhige Atmung und ausreichend Ruhe. Eine Methode, die ich sehr schätze, ist der „Alphalauf“ von Dr. Johannes Huber: bewusstes, achtsames Laufen mit mentaler Ausrichtung, das Körper und Geist in Einklang bringt. Durch die fünf Phasen der Alphalauf-Technik kann man in einen entspannten, lichtwachen Zustand gelangen, was sowohl die Ausdauer als auch die Resilienz stärkt. Für mich ist Alphalauf mehr als reiner Sport, er ist eine Form der Meditation in Bewegung, ein Geschenk für Gesundheit, Klarheit und Gelassenheit.
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